Start von Galileo Die EU erhofft sich ein Wirtschaftswunder

Jahrelang wurde um das Navigationssystem Galileo gerungen.
Jetzt ist der erste Satellit ins All gestartet. Die Erwartungen der
Europäer – vor allem an den Ertrag – sind groß. Zahlreiche
kostenpflichtige Dienste sollen das Wirtschaftswunder ermöglichen.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5085550_REF1_NAV_BAB,00.html


Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkstudio Brüssel

Erst Anfang Dezember, kurz vor Toresschluss, kam endlich die politische
Einigung über das Galileo Projekt zustande: Jahrelang war das
Gezerre zwischen den EU-Mitgliedsländern hin und her gegangen,
versuchte man sich gegenseitig auszubooten, vom geringstmöglichen
finanziellen Einsatz möglichst viel vom gemeinsamen
Satelliten-Navigationssystem zu profitieren. Am Ende blockierte
Deutschland schließlich die Zahlungen für die
Betreibergesellschaft Galileo Industries, wenn es keinen ausreichenden
Rückfluss von Mitteln und Arbeitplätzen geben würde.
Inzwischen war das Projekt bereits 400 Millionen Euro teurer geworden.

Und die Erpressung half: Anfang Dezember konnte der frischgebackene
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erfreut den Erfolg verkünden:
„Das war nicht ganz leicht zum Schluss, insbesondere die Partner alle
auf einen Nenner zu bringen. Aber ich denke, dass wir jetzt sehr
zufrieden sein können“, so der Minister. „Es wurde ja zuvor schon
geunkt, dass das ganze System insgesamt in Frage gestellt wird.“

Zwei Drittel zahlt die Wirtschaft

Angesichts der deutschen Drohung waren die europäischen Partner
dann doch noch bereit, das Konsortium Tele-Op – aus Telekom und dem
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt – in die Betreibergruppe
aufzunehmen. Damit liegt der deutsche Anteil in der Betreibergruppe bei
etwa 25 Prozent. Das findet die Bundesregierung fair, muss sie doch
schließlich aus Steuergeldern ca. 20 Prozent der Gesamtkosten von
1,1 Milliarden Euro in der Erprobungsphase tragen. Der spätere
Betrieb des fertigen Systems wird dann mit rund zwei Milliarden Euro
veranschlagt, Die werden durch so genannte public-private partnership
aufgebracht: Zwei Drittel von der Wirtschaft, ein Drittel von der
öffentlichen Hand. Dafür dürfen die Konzessionäre
dann 20 Jahre lang die Rechte vermarkten.

Internationales Interesse

Und da sind die Erwartungen zum wirtschaftlichen Nutzen nahezu
grenzenlos. Die deutsche Seite spricht von 100.000 Arbeitsplätzen,
die EU-Kommission sogar von 150.000, die durch Galileo geschaffen
werden sollen. Der zuständige Generaldirektor in Brüssel,
Christian Laoureux freut sich über ein inzwischen enormes
internationales Interesse: „Die bevölkerungsreichsten Länder
der Welt nehmen an dem Programm teil: China, Indien, Brasilien“, so
Laoureux.

„Aber es gibt weitere Interessenten, Israel zum Beispiel, das bei
Galileo mitmachen will, weil es sich aus verständlichen
Gründen der Sicherheit nicht nur auf das amerikanische GPS-System
verlassen will.“ Schließlich hatte die Tatsache, dass die USA zum
Beginn des Irak-Krieges ihr GPS einfach abgeschaltet hatten, die
europäischen Galileo-Pläne enorm beflügelt.

Man will militärisch unabhängig sein, aber man will auch
auch wirtschaftlich teilhaben am einem enorm wachsenden Markt: Das
beginnt bei den Autofahrern, die das Galileo-System künftig
kostenlos nutzen sollen, bis hin zu zahlreichen kostenpflichtigen
Anwendungen: Bei der Flottenkontrolle für Lkw, im
Vermessungswesen, bei Fluggesellschaften und Rettungsdiensten – und
vielen weitere Nutzungen, die erst noch erfunden werden müssen.

2010 soll das System funktionieren

Im Januar soll der endgültige Vertrag zwischen den
industriellen Betreibern unterschrieben werden. Dann muss nur noch
technisch alles glatt gehen, so dass der Probesatellit bis Sommer 2006
zuverlässig Signale sendet. Das ist wichtig, um die Frequenz zu
sichern. 2008 soll dann der erste echte Satellit ins Weltall geschossen
werden – und 2010 das gesamte System mit 30 Satelliten beginnen zu
funktionieren.

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