Europas Antwort auf GPS -Unser NAVIGATIONSSYSTEM

Countdown für Europas Antwort auf GPS



Ab morgen macht sich Europa daran, ein Monopol der Vereinigten
Staaten zu brechen: Der erste Satellit des Galileo-Navigationssystems
wird in den Orbit geschossen. Das europäische Satellitennetz soll
genauer arbeiten als das GPS-System des US-Militärs.



Kurz nach Weihnachten erfüllt sich Europa einen sehnlichen Wunsch:
Ab Mittwoch beginnt mit dem ersten Satelliten der Aufbau des
Navigationssystems Galileo, das ab 2010 eine genaue Ortsbestimmung
überall auf dem Globus ermöglichen soll. Nach jahrelangem
Ringen um das Milliardenprojekt sind die Hoffnungen hoch gesteckt. Als
Konkurrent zum US-System GPS soll Galileo Europa den Weg in ein neues
technologisches Zeitalter weisen und zugleich die Abhängigkeit von
den USA verringern.

Sojus-Rakete mit Galileo-Satellit: Genauigkeit ist Trumpf
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AFP
Sojus-Rakete mit Galileo-Satellit: Genauigkeit ist Trumpf

Am
Mittwoch soll ab 6.19 Uhr MEZ der Testsatellit GIOVE-A mit einer
russischen Sojus-Fregat-Rakete vom kasachischen Weltraumbahnhof
Baikonur ins All geschossen werden. Der gut 600 Kilogramm schwere
Würfel wurde in Großbritannien gebaut und soll auch von dort
aus zunächst gesteuert werden. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen
30 Galileo-Satelliten im All sein, die jeweils von Kontrollzentren in
Darmstadt und Toulouse aus auf die richtige Position geschickt werden.

Das Satellitensystem als Gemeinschaftsprojekt der Raumfahrtagentur ESA
und der EU war für Europa ein Kraftakt. Jahrelang wurde um
Finanzierung und Standorte für die Steuerung von Galileo
gestritten. Erst Anfang Dezember einigten sich die beteiligten Staaten
darauf, dass die Kontrollzentren für den Dauerbetrieb nach
Oberpfaffenhofen bei München und Fucino bei Rom kommen. Die
Galileo-Betreibergesellschaft wird in Toulouse und London angesiedelt.

DAS GALILEO-SYSTEM


Das Netzwerk Die Messgenauigkeit Die verschiedenen Dienste
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Der Übergang von der Theorie zur Praxis sei „ein wesentlicher
Schritt“, sagt ESA-Sprecher Dominique Detain. Die Europäer
betreten demnach mit Galileo in mehrfacher Hinsicht Neuland: GIOVE-A
soll in nur gut 23.000 Kilometern Höhe über der Erde schweben
und diese jeweils in etwa 14 Stunden umrunden. Mit diesem sogenannten
mittleren Orbit fehlen noch Erfahrungen.

„Wir kennen die radioelektrische Umgebung dieser Umlaufbahnen noch
nicht genau“, sagt Detain. Zudem wird GIOVE-A zwei Rubidium-Atomuhren
an Bord haben, die eine extrem zuverlässige Zeitmessung
ermöglichen – und Genauigkeit ist der Trumpf, den Europa
gegenüber dem vom US-Militär betriebenen Global Positioning
System (GPS) ausspielen will.

Von Auto-Navigation bis zu elektronischen Fußfesseln

EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot schwärmt bereits von „immensen
Anwendungsmöglichkeiten“, die erheblichen Einfluss auf den Alltag
der Bürger haben würden. Diese reichen vom Einsatz in Handys
und Auto-Navigationssystemen über Diebstahlsicherungen für
Fahrzeuge bis zur Überwachung verurteilter Straftäter mit
„elektronischen Fußfesseln“. Mittelfristig können etwa auch
Wartende an Haltestellen informiert werden, wo sich ihr Bus gerade
befindet. Möglich sind solche Anwendungen auch mit GPS; das
amerikanische System ist wegen seines gleichzeitigen
Militäreinsatzes aber für Normalanwender absichtlich weniger
genau und kann zudem in Krisensituationen teilweise außer Kraft
gesetzt werden.

Für Europa ist Galileo laut ESA das bisher größte
gemeinsame Technologieprojekt. Immerhin 3,8 Milliarden Euro soll das
System nach heutigen Schätzungen kosten. Mittelfristig sollen die
Einnahmen aber die Investitionen mehr als vier Mal übersteigen.
Barrot sieht schon Jahre vor der Inbetriebnahme einen großen
Markt außerhalb Europas. „Das europäische Projekt hat eine
Welle des Interesses überall auf der Welt ausgelöst“, sagte
er der französischen Wirtschaftszeitung „La Tribune“.

GIOVE-A soll nun erste Funktionstests ermöglichen und zugleich die
Funkfrequenz sichern, die Galileo zugeteilt bekam. Damit diese Frequenz
nicht verloren geht, muss sie spätestens im Juni 2006 genutzt
werden. Falls GIOVE-A Probleme bereitet, steht GIOVE-B bereit. Dieser
zweite Testsatellit dürfte im März gestartet werden.

Von Reinolf Reis und Frédéric Garlan, AFP

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