Usability-Heuristiken – schöne Darstellung

Sie sind hier: meiert.com 

Usability-Heuristiken

Jens Meiert, 18. Dezember 2005. ISSN 1614-3124

Ebenso wie im Bezug auf Barrierefreiheit
lassen sich auch für die Bedienbarkeit und Benutzerfreundlichkeit
von Webseiten einfache Regeln heranziehen, über die man deren
Qualität beurteilen und verbessern kann. Die folgenden Heuristiken
decken allgemeine sowie auf das Internet bezogene spezielle Richtlinien
für Webseiten und ältere Benutzer ab.

Anmerkung:
Die aufgeführten Heuristiken können und sollen keine
Benutzertests und andere Methoden zur Sicherstellung der Bedienbarkeit
eines Produkts oder einer Webseite ersetzen. Sie eignen sich eher zur
groben Beurteilung von Problemen wie auch als Leitlinien bei
Expertenevaluierungen.

Allgemeine Richtlinien

Jakob Nielsen und Rolf Molich haben 1990 im Rahmen der ACM-Untersuchung „Improving a Human-Computer Dialogue
festgestellt, daß der Großteil der von Ihnen im Rahmen der
Untersuchung erfassten Usability-Probleme bestimmten Kategorien
zugeordnet werden konnte. Diese Kategorien oder Prinzipien wurden von
Nielsen und Molich als Checkliste eingesetzt. 1994 gab es eine generalisierende Überarbeitung, die in zehn allgemeinen Heuristiken resultierte:

  • Sichtbarkeit des Systemstatus: Ein System sollte den Benutzer jederzeit angemessen darüber informieren, was passiert.
  • Übereinstimmung
    zwischen System und Wirklichkeit: Ein System sollte die Sprache des
    Benutzers sprechen, in einer Form, mit der der Benutzer vertraut ist,
    und nicht mit systemorientierten Begriffen. Informationen sollten in
    natürlicher und logischer Reihenfolge dargestellt werden.
  • Benutzerkontrolle
    und -freiheit: Benutzer wählen Systemfunktionen oft versehentlich
    und benötigen somit einen klar gekennzeichneten „Notausgang“, um
    den ungewünschten Zustand ohne langen Dialog verlassen zu
    können. Die Funktionen „Rückgängig“ und „Wiederholen“
    sollten unterstützt werden.
  • Konsistenz und
    Standards: Benutzer sollten sich nicht fragen müssen, ob
    verschiedene Wörter, Situationen oder Aktionen dasselbe meinen.
    Plattformkonventionen sollten befolgt werden.
  • Fehlervorbeugung:
    Ein sorgfältiges Design, das das Auftreten von Problemen
    verhindert, ist noch besser als gute Fehlermeldungen.
  • Erkennen
    anstatt Erinnern: Objekte, Aktionen und Optionen sollten sichtbar sein.
    Der Benutzer sollte sich Informationen nicht von einem Abschnitt des
    Dialogs bis zu einem anderen merken müssen. Instruktionen für
    den Systemgebrauch sollten leicht auffindbar sein.
  • Flexibilität
    und Effizienz: Akzeleratoren („Programmzeitverkürzer“) können
    unbemerkt von neuen und unerfahrenen Benutzern die Interaktion für
    Expertennutzer beschleunigen, so daß ein System sowohl von
    unerfahrenen als auch erfahrenen Benutzer bedient werden kann.
    Benutzern sollte es möglich sein, häufige Aktionen auf sie
    zuzuschneiden.
  • Ästhetisches und minimalistisches
    Design: Dialoge sollten keine Informationen beinhalten, die irrelevant
    sind oder selten benötigt werden. Jede zusätzliche
    Informationseinheit in einem Dialog konkurriert mit den relevanten
    Informationen.
  • Benutzern sollte geholfen werden, Fehler
    zu erkennen, zu diagnostizieren, und sich von diesen wieder zu
    „erholen“: Fehlermeldungen sollten in einfacher Sprache formuliert
    sein, das Problem exakt beschreiben und eine konstruktive Lösung
    vorschlagen.
  • Hilfe und Dokumentation: Obwohl es besser
    ist, wenn ein System ohne Dokumentation verwendet werden kann, mag es
    notwendig sein, Hilfe und Dokumentation bereitzustellen. Diese
    Informationen sollten leicht zu durchsuchen und auf die Aufgabe des
    Benutzers fokussiert sein, zudem sollten sie konkrete Schritte, die
    vorgenommen werden müssen, aufzählen, und dabei nicht zu
    umfangreich sein.

Richtlinien für Webseiten

Jakob Nielsens ausgezeichnetes Buch Homepage Usability
(2002 auf Deutsch erschienen) beinhaltet 113 Richtlinien (nicht nur)
für Startseiten von Webseiten, die an dieser Stelle allerdings
nicht vollständig veröffentlicht werden können.
Stattdessen soll ein frei formulierter Überblick über ihre
Hauptaussagen gegeben werden, der sich mit verbreiteten Regeln deckt:

  • Kommunizieren
    Sie den Zweck der Webseite. Dies beinhaltet unter anderem eine
    auffällige Plazierung des Logos, den Gebrauch einer Tagline und
    die Hervorhebung des Nutzens der Webseite.
  • Bieten Sie
    Informationen über das Unternehmen (oder den Webseitenbetreiber).
    Diese Informationen umfassen beispielsweise Sektionen wie „Über
    uns“ oder „Presse“, aber auch Kontaktmöglichkeiten und
    Datenschutzhinweise.
  • Achten Sie auf die Inhalte der
    Webseite. So sollte eine den Benutzern angemessene Sprache gebraucht
    werden, Redundanzen hingegen ebenso wie Marketingphrasen vermieden
    werden.
  • Illustrieren Sie Inhalte durch Beispiele.
  • Erlauben Sie Zugriff auf alte Inhalte (Archive).
  • Achten Sie auf Links. Dies umfasst zum einen das Schreiben guten Mikrocontents
    ebenso wie das Vermeiden von „mehr“- oder „hier“-Links, zum anderen
    aber auch das Ermöglichen direkten Zugriffs auf wichtige
    Funktionen und das Weglassen von Links, die Browserfunktionalität
    abdecken („als Startseite“, „zu den Favoriten hinzufügen“).
  • Achten
    Sie auf die Navigation. Diese sollte beispielsweise auffällig
    plaziert und nach Ähnlichem sortiert sein. Zudem sollte nicht auf
    Seiten verlinkt werden, auf denen man sich befindet.
  • Achten
    Sie auf die Suche. Dieser Punkt schließt ein, Benutzern eine
    Suchmaske zu offerieren, die breit genug ist und die
    standardmäßig die gesamte Webseite durchsucht.
  • Achten
    Sie auf das Design. Dies beinhaltet zum Beispiel eine begrenzte Zahl
    unterschiedlicher Schriftformatierungen, aber auch, daß die
    wichtigsten Seitenelemente „über der Falz“ angezeigt werden,
    idealerweise in einem flexiblen Layout.
  • Achten Sie auf
    Grafiken und Animationen. So sollten Grafiken Inhalte darstellen und
    nicht lediglich dekorieren, sie sollten – falls hilfreich – beschriftet
    werden, und Animationen auf keinen Fall für zentrale
    Seitenelemente wie Logo oder Tagline verwendet werden.
  • Verwenden
    Sie Schnittstellenelemente sorgfältig. So sollten auf der Homepage
    nicht mehrere Eingabefelder verwendet und Dropdown-Menüs wiederum
    sparsam gebraucht werden.
  • Achten Sie auf Fenstertitel.
    Fenstertitel sollten beispielsweise mit dem Firmennamen beginnen, auf
    Startseiten nicht den Begriff „Homepage“ beinhalten und zudem auf
    sieben bis acht Wörter begrenzt sein.
  • Vermeiden Sie Splashscreens, Führungsseiten und Popups.
  • Verzichten
    Sie auf Willkommensgrüße, solange Sie den Benutzer nicht
    auch direkt ansprechen, sie also wiedererkannt haben.
  • Kommunizieren Sie technische Probleme.
  • Verzichten Sie auf Credits („powered by“) und Awards, auf jeden Fall auf der Startseite.

Nielsens Richtlinien umfassen noch eine Reihe weiterer Punkte, beispielsweise URLs,
News und Pressemitteilungen, Werbung, aber auch das Sammeln von
Kundendaten. Neben dieser umfangreichen Sammlung von Heuristiken, die
jeweils ausführlich erklärt werden, bietet Nielsens Buch
zudem einen Überblick über eine Vielzahl von
Usability-Konventionen.

Richtlinien für ältere Benutzer

Die amerikanische „Association for the Advancement of Retired Persons“ (AARP) hat aus zwei 2004 und 2005 durchgeführten Studien eine Liste von 20 Heuristiken (PDF, 64 KB) erstellt, die auf Menschen abzielt, die älter als 50 Jahre alt sind:

  1. Verwenden Sie konventionelle Interaktionselemente.
  2. Zeigen Sie eindeutig, was klickbar ist und was nicht.
  3. Stellen Sie sicher, daß klickbare Elemente leicht anzuvisieren und zu treffen sind.
  4. Minimieren Sie die Notwendigkeit vertikaler Scrollbalken, und vermeiden Sie horizontale Scrollbalken gänzlich.
  5. Vergewissern Sie sich, daß sich der „Zurück“-Button vorhersehbar verhält.
  6. Geben Sie dem Benutzer die Kontrolle.
  7. Gibt es klares Feedback auf Aktionen?
  8. Ermöglichen
    Sie Feedback in non-visuellen Modi (zum Beispiel durch Alternativtexte
    oder Unterstützung haptischer Eingabegeräte).
  9. Machen Sie die Struktur der Webseite so sichtbar wie möglich.
  10. Beschriften Sie inhaltliche Kategorien in deutlicher Form und unterstützen Sie „Erkennen anstatt Erinnern“.
  11. Gebrauchen Sie die flachstmögliche Informationshierarchie.
  12. Bieten Sie eine Sitemap an und verlinken Sie auf diese von jeder Seite aus.
  13. Sorgen Sie dafür, daß Seiten leicht zu überfliegen sind.
  14. Sorgen Sie dafür, daß Seitenelemente leicht zu lesen sind.
  15. Gruppieren Sie ähnliche Themen visuell.
  16. Stellen Sie sicher, daß sich Hinter- und Vordergrundfarben gut voneinander abheben.
  17. Verwenden Sie ausreichenden Leerraum.
  18. Machen Sie es leicht, Dinge schnell zu finden.
  19. Richten Sie Ihre Schreibweise auf Publikum und Zweck aus.
  20. Gebrauchen Sie die Sprache des Benutzers, verringern Sie den Gebrauch von Fachsprache und technischen Begriffen.

Ähnliche Themen

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Fehler entdeckt? Belohnung!

Stand: 18. Dezember 2005. Copyright 2000-2005 Jens Meiert.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s