Aus dem Spiegel:

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,389122,00.html

Das exzessive Leben des Johnny L.

Von Gregor Waschinski

Johnny Lechner ist Amerikas berühmtester Student. Der 29-jährige inszeniert sein Studium als Party-Endlosschleife voller Alkohol und College-Girls. Damit hat er es zur eigenen TV-Show gebracht – und zu einem Anti-Bummel-Gesetz, das seinen Namen trägt.

//
Da ist zum Beispiel dieser Kerl, der schon den ganzen Morgen auf Johnny Lechners Couch liegt und schnarcht. Johnny sagt, er kenne ihn nicht, aber das sei immer so bei seinen Partys. Viele Leute kämen vorbei, vor allem viele wunderschöne College-Mädchen. Und dass dieser Unbekannte auf dem Sofa gestern Abend das Badezimmer vollgekotzt hat, ist Johnny auch egal. „Es gibt eine Zeit und einen Ort, wo man alles machen kann“, sagt er. „Wir nennen das ,College‘.“

LANGZEITSTUDENT LECHNER: DAS COLLEGE ALS ENDLOSE PARTY
www.johnnylechner.com www.johnnylechner.com www.johnnylechner.com


Klicken Sie auf ein Bild, um die Fotostrecke zu starten (4 Bilder).


Genau so hat die amerikanische Öffentlichkeit Johnny Lechner in den vergangenen Monaten kennen und lieben gelernt: der ewige Student, der das Partyleben an der Uni genießt. In mehreren Fernsehauftritten, unter anderem bei Late-Night-Talker David Letterman, plauderte der 29-jährige über seine Interpretation vom lebenslangen Lernen. Mittlerweile schreibt Lechner an seinen Memoiren, verfasst einen Ratgeber für Studienanfänger und ist Hauptfigur einer Reality-TV-Serie.

In Deutschland sind Langzeitstudenten nichts Ungewöhnliches. In Amerika aber, wo hohe Studiengebühren die Regel sind und Studenten zu einem schnellen Abschluss drängen, ist Johnny Lechner ein absoluter Exot. Seit zwölf Jahren ist er an der University of Wisconsin eingeschrieben, hat vier Mal die Fachrichtung gewechselt, sich gründlich in den Geisteswissenschaften umgesehen und dabei ausreichend credit points für zwei Universitätsabschlüsse gesammelt.

Eine halbe Million Dollar fürs College

„Mein Studium hat mich bis jetzt sicher eine halbe Million Dollar gekostet“, sagt Lechner. In den ersten Jahren hatte Johnny Lechner noch Geld von seinen Eltern bekommen, auch der Staat Wisconsin unterstützte ihn. Später musste er dann die Studiengebühren allein bezahlen, arbeitete als Kellner und hatte ein paar Auftritte als Musiker. „College ist einfach die beste Zeit des Lebens“, rechtfertigt er sich.

Der Staat Wisconsin dagegen hat die Geduld verloren und erließ im vergangenen Semester die so genannte Johnny-Lechner-Richtlinie: Studenten müssen die doppelten Studiengebühren zahlen, wenn sie eine bestimmte Anzahl von credit points überschreiten. Lechner ist der einzige Student im Staat Wisconsin, der davon betroffen ist. Die Richtlinie kann ihm aber ziemlich egal sein: Mittlerweile hat ein Entertainment-Unternehmen aus Los Angeles seine Studiengebühren übernommen.

Seit sich die Medien für Johnny Lechner interessieren, ist der Makel des Endlos-Studenten zu seinem Kapital geworden. Eine regionale Zeitung veröffentlichte im vergangenen Frühjahr einen Artikel über Lechner, kurz darauf rief der Sender CBS bei ihm an – ob er nicht zu David Letterman in die Show kommen wolle. Lechners Kurzauftritt bei der amerikanischen Talk-Ikone rief wiederum „National Lampoon“ auf den Plan, eine Entertainment-Firma, die sich auf derben College-Humor spezialisiert hat.

Auf der ewigen Suche nach der großen Liebe

Vor drei Jahren drehte „National Lampoon“ eine Komödie, in der ein fiktionaler Student namens van Wilder sich weigert, seinen Abschluss zu machen. Als die Verantwortlichen bei „National Lampoon“ von Johnny Lechner hörten, sahen sie einen echten van Wilder – und nahmen ihn unter Vertrag.

Wenn Johnny Lechner von seinem Uni-Leben erzählt, dann hört sich das an, als lese er aus einem Drehbuch vor. „Ich möchte am College eigentlich die Liebe meines Lebens finden. In meinem ersten Jahr hier hat mir ein Mädchen das Herz gebrochen, und ich habe Angst, dass ich so eine Liebe nie wieder finden werde“, schnulzt er.

Auf seiner Internetseite zeigen Fotos ein unbeschwertes amerikanisches Studentenleben mit Football, Party und hübschen Mädchen. Johnny Lechner, so scheint es, lebt den Traum der ewigen Jugend, ein ständiger „Spring Break“. Das große Finale ist auch schon geplant: Im Sommer 2006 soll Johnny Lechner endlich seinen Abschluss machen, die dazugehörige Party will „National Lampoon“ veranstalten.

Die Abschlussparty steigt auf jeden Fall

Inwiefern diese Inszenierung tatsächlich seinem Leben entspricht, ist fraglich – auch wenn Johnny Lechner beteuert, bei ihm sei wirklich alles genau wie in den spaßigen College-Filmen. Seine akademischen Leistungen jedenfalls sind voll befriedigend, in einem Jahr schaffte er es sogar auf die Liste der besten Studenten der Uni.

Unbestritten hat die Rolle als universitäres Partytier Lechner ungeahnte Berufsperspektiven eröffnet. „Ich habe so viele neue Möglichkeiten bekommen“, sagt er. „Hätte ich mein Studium brav in vier Jahren durchgezogen, säße ich jetzt wahrscheinlich auf irgendeinem langweiligen Posten.“

Deshalb scheint er sich auch nicht ganz sicher zu sein, 2006 wirklich den Abschluss machen zu wollen. „Zumindest die große Party wird stattfinden“, sagt er lakonisch.