Die Entwicklung des deutschen TK-Marktes

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08.12.2005

aus: VATM-Jahresbericht 2005, vom 05.12.2005
Jahresrückblick 2005: Die Entwicklung des deutschen TK-Marktes
Gastbeitrag von Jürgen Grützner, VATM*
Köln, 08.12.2005-08:30 – Auf dem Weg zu mehr Wettbewerb schreiben wir mittlerweile das achte Jahr der Liberalisierung. Auch in diesem Jahr waren die Entwicklungen auf dem Telekommunikationsmarkt von hoher Dynamik und Innovation geprägt. Maßgeblich getrieben durch die erfolgreiche Vermarktung festnetzbasierter Breitbandanwendungen und von der steigenden Zahl der Breitbandanschlüsse auf über 10 Mio. sowie einer zunehmenden Mobilfunk-Nutzung wurde der positive Wachstumstrend der Telekommunikationswirtschaft des Vorjahres fortgesetzt. Auch die Investitionen stiegen erstmals seit dem Jahr 2000 wieder an – im Vergleich zum Vorjahr sogar um satte 20 Prozent. Es wird nun darauf ankommen, dass die neue Bundesregierung die entsprechenden Impulse aus dem Kommunikationssektor aufgreift und für eine sektorübergreifende Belebung der Gesamtwirtschaft durch gezielte Förderung des Wettbewerbs nutzbar macht.

Das neue Telekommunikationsgesetz …

… hat sich nach mehr als einem Jahr grundsätzlich bewährt. Der Mitte 2004 in Kraft getretene Gesetzesrahmen für die Telekommunikationswirtschaft setzt als reformorientiertes Konzept für ganz Deutschland ein Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland und bietet Investoren aus dem In- und Ausland einen ausreichend verlässlichen und flexiblen Rechtsrahmen. Aufgabe des Regulierers ist es auch weiterhin, durch eine technologieneutrale Regulierung den fairen und chancengleichen Wettbewerb auf den Telekommunikationsmärkten zu fördern sowie Verbraucherinteressen zu wahren. Die Übergangsregelungen bis zum Abschluss der europarechtlich geforderten Marktanalysen greifen allerdings nur unzureichend und führen zu kritischen Gerichtsentscheidungen sowie zu Rechtsunsicherheit.

Stand und Auswirkungen der einzelnen Marktanalysen

Diesen Rechtsrahmen effizient auszufüllen und hierbei den unterschiedlichen Interessen aller Marktbeteiligten gerecht zu werden, stellt allerdings nicht nur für die Bundesnetzagentur eine echte Herausforderung dar. Im Zuge der zeitaufwändigen und sich hinschleppenden Analyse von insgesamt 18 Märkten, herrscht bisher lediglich bei zwei Märkten (Interconnection und Teilnehmeranschlussleitung) mit Bekanntmachung der entsprechenden Regulierungsverfügungen Rechtssicherheit im Markt. Von den 18 Märkten sind die Marktanalysen nach mehr als einem Jahr in sechs Fällen immer noch nicht der EU gemeldet. Dabei schreitet die Marktentwicklung kontinuierlich voran und die EU-Kommission kümmert sich bereits um eine Revision des geltenden Rechtsrahmens für die Telekommunikationsmärkte, dessen Anwendung zumindest in Deutschland derzeit immer noch von Rechts- und Planungsunsicherheit geprägt ist. Besonders problematisch ist nach wie vor die angloamerikanische Grundkonzeption der EU mit einem behördlichen Ermessungsspielraum, der kaum mit dem deutschen Verwaltungsrecht in Einklang gebracht werden kann.

Die wichtigsten Entscheidungen für die TK-Wirtschaft

Während einzelne Regulierungs- und Preisentscheidungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) im Zugangsbereich (etwa TAL, Line-Sharing) sowie die vom VATM geforderte Einbeziehung von VoIP-Angeboten in die Sprachtelefoniedienst-Märkte die Planungssicherheit im Markt tendenziell erhöht haben und auf positive Resonanz im Wettbewerbsumfeld gestoßen sind, wurde die Regulierung im Endkundenmarkt in diesem Jahr kontinuierlich zurückgeführt. So musste sich die Deutsche Telekom die Endkundentarife grundsätzlich nicht mehr vorab genehmigen lassen. Aber auch der entbündelte Glasfaserzugang unterliegt keiner Regulierung mehr. Damit wird in kritischer Weise die Vorproduktregulierung aufgeweicht. Mit weiteren Vorstößen der Deutschen Telekom AG (DTAG) ist zu rechnen. Lediglich bei offensichtlichem Missbrauch kann die Bundesnetzagentur nachträglich eingreifen. Im Fall einiger Bündeltarife ist sie hier tätig geworden – und nach dem neuen Gesetz dazu auch verpflichtet.

Die wichtigsten Entscheidungen der BNetzA im Jahr 2005 im Einzelnen:
• Das Kabinett beschließt neue Kundenschutzregelungen in der Telekommunikation (01.02.)
• RegTP legt Preis für die letzte Meile (TAL) auf 10,65 Euro fest (29.04.)
• Bundestag entscheidet über Kundenschutz in der Telekommunikation (16.06.)
• Telekom-Kunden zahlen jetzt 0,2 Cent/Min. Aufschlag auf Durchleitungsgebühren in andere Netze (04.07.)
• RegTP heißt jetzt Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA) (13.07.)
• BNetzA will bis Ende 2005 3,5 GHz-Frequenzen für schnelles Funk-Internet bereitstellen (17.07.)
• DTAG und VATM einigen sich auf neue Abrechnungsmodalitäten (02.08.)
• Regulierer legt Preise für Line-Sharing und Einmalentgelte auf der letzten Meile fest (03.08.)
• BNetzA senkt Entgelte für Teilnehmerdaten (17.08.)
• BNetzA veröffentlicht Eckpunkte zur regulatorischen Behandlung von VoIP (09.09.)
• EU-Kommission unterbreitet Entwurf zur Vorratsdatenspeicherung für Telefon und Internet (22.09.)
• BNetzA trifft Modalitäten für den Übergang von 0190er- auf 0900er-Rufnummern ab dem 01.01.2006 (22.09.)
• BNetzA legt Vorprodukt-Entgelte für Internet-Datenverkehr (ZISP) fest (31.10.)

Telekommunikationsmarkt wächst dank Wettbewerb

Der Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland wächst in diesem Jahr voraussichtlich um rund 4 Prozent auf insgesamt 66,9 Mrd. Euro. Sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk wird das Marktwachstum dabei im Wesentlichen von den Wettbewerbern getragen, die ihren Anteil von 29,5 Mrd. Euro auf 32,6 Mrd. Euro steigern können. Dank der deutlich überdurchschnittlichen Wachstumsraten und der konsequenten Förderung des Wettbewerbs durch Regulierung leistet dieser Sektor damit auch einen wesentlichen Beitrag zum Beschäftigungswachstum in Deutschland und ist einstweilen vergleichbar mit großen anderen traditionellen Wirtschaftssektoren. Eine sinnvolle Regulierung schützt hier den Wettbewerb und damit auch zukünftige Innovation und Investitionen.

[Chart]
Gesamtmarkt für Telekommunikationsdienste in Deutschland 2005
(Schätzung, inkl. Datendienste, Mietleitungen und Endgeräte; ohne Dienste zur Verteilung von TV-Inhalten; Quelle: DIALOG CONSULT/VATM-Marktanalyse 2005)

Festnetz Mobilfunk
DTAG 25,0 Mrd. (37,4%) 9,3 Mrd. (13,9%)
Wettbewerb 12,1 Mrd. (18,1%) 20,5 Mrd. (30,6%)

Renaissance für das Festnetz

Durch den breitbandigen DSL-Anschluss hat die gute alte Kupferleitung und damit das Festnetz zweifellos wieder an Attraktivität gewonnen. Das Festnetz daheim und im Büro ist wegen der deutlich höheren Übertragungsgeschwindigkeit aber auch Verfügbarkeit auf Dauer nicht zu ersetzen. Mit der bereits begonnenen Aufrüstung der DSL-Anschlüsse via ADSL2+ wird High-Speed-Internet und Downloads mit Geschwindigkeiten von bis zu 16 und bald bis zu 25 MBit/s statt wie bislang maximal 6 Mbit/s möglich. Damit steht auch anspruchsvollen Anwendungen wie beispielsweise kompletten Videodownloads und hochauflösendem Fernsehen nichts mehr im Wege.

Rückgang der Verbindungsminuten durch DSL

Bei den Verbindungsminuten macht sich die zunehmend volumenabgerechnete Nutzung von DSL bereits bemerkbar. So geht das Gesamtverbindungsvolumen der aktuellen VATM-Marktstudie 2005 zufolge in diesem Jahr von 922 Mio. Verbindungsminuten pro Tag auf 897 Mio. Minuten zurück. Der weiterhin intensive Wettbewerb bei Ortsnetzgesprächen führt zu einer deutlichen Steigerung des Marktanteils der Wettbewerber und des Ortsverbindungsverkehrs insgesamt. Bei allen Festnetzzugangsarten verzeichnen die alternativen Anbieter im Jahr 2005 eine deutliche Zunahme der absoluten Kundenzahlen – die höchste relative Steigerung erfolgt bei direkt angeschlossenen Kunden, deren Zahl von 2,3 Mio. Kunden auf insgesamt 3,3 Mio. Kunden – vielfach qualitätsbewusste Privat- und Geschäftskunden – um über 43 Prozent gestiegen ist.

Service-Rufnummern auf dem Vormarsch

Auf dem Gebiet der Service-Rufnummern erwirtschaften die alternativen Unternehmen signifikante Umsätze in den Bereichen Customer Care und Call-Media. Mit 1,7 Mio. geschalteten Rufnummern im Einsatz werden bei den neuen Anbietern 18,3 Mio. Gesprächsminuten pro Tag abgewickelt und ein Umsatz von 506,4 Mio. Euro generiert. Insbesondere 0137er-Rufnummern sind ein beliebtes Instrument, das vielseitig – vor allem im Transaktions-TV von Medienunternehmen – eingesetzt wird. Gefragte Dienste sind auch 0800er- und 0180er-Rufnummern, die mit über 43 Prozent des Umsatzes den Großteil des Marktvolumens bei den Wettbewerbern ausmachen. Ebenso weisen Auskunftsdienste mit 14,1 Prozent des generierten Umsatzes eine hohe Nachfrage auf.

Deutsche Telekom AG beherrscht weiter den Internet-Zugangsmarkt

Mit Flatrate-Preisen für den Internetzugang bis teilweise unter fünf Euro hat sich der im letzten Jahr begonnene Preiswettbewerb weiter verschärft. Netzbetreiber und Internet-Service-Provider ringen in Deutschland hart um die Verteilung des lukrativen DSL-Kundenmarktes, der noch lange nicht ausgeschöpft ist. Bis 2007 ist mit rund 16 Mio. Breitbandnutzern zu rechnen. Bereits in diesem Jahr ist die Kundennachfrage nach Breitband bereits signifikant angestiegen. Mit einem Marktanteil von über 80 Prozent bei direkt geschalteten DSL-Verbindungen dominiert die Deutsche Telekom jedoch weiterhin den lukrativen Markt für Breitband-Internetzugänge. Bundesweite und regionale Anschlussnetzbetreiber haben mit 1,7 Mio. direkt geschalteten DSL-Kunden ihre Anschlusszahlen zwar fast verdoppelt, ihr Anteil bei den DSL-Anschlüssen beläuft sich aber weiterhin lediglich auf 16,7 Prozent.

Andere breitbandige Zugangsmöglichkeiten im Wettbewerb zu DSL spielen in Deutschland nach wie vor mit 0,3 Mio. Anschlüssen nur eine untergeordnete Rolle. Rund drei Viertel der DSL-Kunden in Deutschland werden demnach trotz des Resale-Starts im Vorjahr die Rechnung für ihren Breitbandanschluss noch von der Deutschen Telekom erhalten.

Die Entwicklung des Breitband-Verkehrsvolumens von voraussichtlich 676 Mio. Gigabyte (GB) für 2005 verdeutlicht, dass die Nachfrage nach breitbandigen Diensten weiterhin hoch ist, vor allem der Verkehr auf dem Netz der Deutschen Telekom steigt im Vergleich zum Vorjahr in 2005 nochmals deutlich an. Auch die Wettbewerber verzeichnen einen deutlichen Anstieg von 139 Mio. GB auf 191 Mio. GB und schaffen es – auch mittels aggressiver Preisstrategien und nachfragegerechter Angebote – tendenziell die nutzungsintensiveren Kunden zu gewinnen.

In den dörflichen Regionen ist die Versorgung mit Breitband unterdessen weiterhin mangelhaft. Der VATM unterstützt daher seit April des Jahres aktiv den Breitband-Ausbau mit alternativen Technologien in den Initiativen DSLonairFürAlle“ (www.DSLonairFuerAlle.de) und Deutschland will!“ (www.deutschland-will.de). Deutschland will!“ versetzt Gemeinden, Unternehmen und Bürger in den betroffenen Gebieten erstmals in eine aktive Rolle und gibt potenziellen Anbietern von breitbandiger Anschlusstechnik und Diensten wichtige Entscheidungshilfen für Investitionen in den Breitbandausbau an die Hand. Die von mehreren TK-Anbietern ins Leben gerufene Initiative verfolgt das Ziel, durch Bündelung der erforderlichen gesellschaftlichen Kräfte die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Breitband-Internetzugängen in Deutschland aktiv voranzutreiben.

WLL-Lizenzen für schnelle funkgestützte Internetzugänge geplant

Als Alternativen für den Festnetzzugang hat die Bundesnetzagentur im Juli eine Anhörung gestartet, um für den deutschen Markt Ende 2005 die ehemaligen WLL-Frequenzen (Wireless Local Loop) im Bereich 3,5 GHz Frequenzen für schnelle funkgestützte Internetzugänge als so genannten Fixed Wireless Access“ bereitzustellen. Die Bundesnetzagentur verfolgt dabei einen technologieneutralen Regulierungsansatz, in dem WiMAX nur eine der möglichen Technologien ist. Auch der Anwendungszweck wurde bewusst weit geöffnet. Die Frequenzen sind zwar in erster Linie zur Internet-Funk-Anbindung von Teilnehmern gedacht, es soll aber auch möglich sein, freie Systemkapazitäten durch weitere Nutzungen auszufüllen.

Aus Sicht des VATM können gerade neue Technologien vor allem aus dem Funkbereich einen wichtigen Beitrag zur Breitbandversorgung leisten. Gerade in Gebieten ohne DSL-Versorgung können sie die ökonomisch günstigere Variante sein. Deshalb sollte die Frequenzregulierung Spielräume für neue Funktechnologien (UMTS, WLL, WLAN/WWAN, DVB-T oder WiMAX) eröffnen und in diesem dynamischen Markt rasch für klare Rahmenbedingungen sorgen. Strategische Investitionen des Marktbeherrschers genau in die Gebiete, in denen Funktechnologien neu zum Einsatz kommen, verhindern eine flächendeckende Breitbandversorgung und schaden dem Investitionsklima insgesamt.

WLAN als Bindeglied zwischen Festnetz und Mobilfunk

Wireless LAN, der drahtlose Highspeed Internetzugang, kristallisiert sich derweil zunehmend als hilfreiche Ergänzungstechnik zwischen Festnetz und Mobilfunk heraus. Die Mobilfunkanbieter nutzen die heimischen und öffentlich zugänglichen Funknetzwerke (Hotspots) dabei als Ergänzung zu ihren UMTS-Netzen, insbesondere für die Inhouse-Versorgung ihrer Kunden. 10.000 Hotspots hat alleine die DTAG für Deutschland angepeilt, noch einmal 10.000 werden seitens der Wettbewerber hinzukommen. Damit dürfte auch auf diesem Wege an allen relevanten öffentlichen Standorten in Deutschland eine breitbandige Versorgung gesichert sein. Etwa 10.000 professionell betriebene Standorte könnten nach Einschätzung von Marktexperten bis Ende 2005 erreicht werden. 70 bis 80 Prozent davon dürften zunächst bei der T-Com und T-Mobile liegen. Die Entwicklung wird auch ganz entscheidend von der Ausgestaltung und Bedienerfreundlichkeit WLAN-fähiger Endgeräte – sprich Handys und PDAs – abhängen. So genannte Dual Phones“, die sowohl WLAN- als auch GSM-Verbindungen unterstützen, sind bereits angekündigt.

Mobilfunk will im Festnetz wachsen

Rund 75 Millionen Mobilfunkkunden zählten die Anbieter in Deutschland im September 2005 mit einer Marktdurchdringung von etwa 90 Prozent. Knapp 30 Mrd. Euro setzt das mobile Segment laut der aktuellen Marktanalyse des VATM in diesem Jahr um. Ausgehend von einem Gesamtumsatz der Branche von fast 70 Mrd. Euro teilt sich der Markt damit schon fast hälftig auf in Festnetz und Mobilfunk. Schon seit etwa vier Jahren übertrifft die Zahl der Mobilfunkanschlüsse laut Bundesnetzagentur die Zahl der Festnetzkanäle und legt nach wie vor deutlich schneller zu. Bislang verzichten laut Branchenschätzungen etwa 4 Prozent aller Kunden in Deutschland komplett auf einen Telefonanschluss. In Finnland, wo die Mobilfunktarife sich mittlerweile bei bis zu unter einem Cent pro Minute bewegen, liegt der Anteil dieser so genannten mobile only“-Kunden schon bei einem Drittel.

Wenn auch eine absolute Abnahme der Sprachminuten derzeit im Festnetz auf die Ausgliederung des Datenverkehrs per DSL zurückzuführen ist, wird sich der Anteil der Mobilfunkgespräche nach Einschätzung der Beratungsfirma Arthur D. Little am gesamten Sprachvolumen aber von heute knapp 20 Prozent auf 40 bis 50 Prozent bis 2009 signifikant erhöhen. Home-Zone-Produkte, No-Frills- und Flatratetarife sind schon heute darauf ausgerichtet, Verbindungsminuten aus dem Festnetz in den Mobilfunk zu verlagern.

Fixed Mobile Convergence – Festnetz mit oder gegen Mobilfunk?

Mobilfunk und Festnetz geraten im Bereich der Sprachkommunikation immer stärker in eine Wettbewerbsbeziehung. National und EU-weit verschärfte sich in 2005 daher die Kritik an der Höhe der Entgelte, die der Carrier des anrufenden Kunden an den Mobilfunknetzbetreiber zahlen muss, damit der Festnetzkunde den Mobilfunkkunden in dessen Netz erreichen kann. Die Höhe der von den Mobilfunknetzbetreibern für die Terminierung von Anrufen in ihren Netzen in Rechnung gestellten Entgelte bleibt aus regulatorischer und politischer Sicht auch zukünftig aktuell.

Wenn auch nach wie vor die Frage strittig ist, inwieweit regulatorisch eingegriffen werden kann und muss und ob die rechtlichen Voraussetzungen hierfür vorliegen, haben sich die Mobilfunkunternehmen erstmals freiwillig darauf geeinigt, die Terminierungsentgelte weiter abzusenken. Die Durchleitungsentgelte von Festnetzgesprächen in die Mobilfunknetze sollen demnach bis Ende 2005 in zwei Stufen um jeweils rund 15 Prozent oder insgesamt etwa vier Cent sinken. Der VATM setzt sich dafür ein, dass der zwischen Festnetz und Mobilfunk politisch und gesamtwirtschaftlich gewünschte Wettbewerb unter Rahmenbedingungen abläuft, die mit den Prinzipien für einen effektiven Wettbewerb kompatibel sind.

Nutzung von Sprache bleibt trotz UMTS und HSDPA ungeschlagen

Die jüngsten Vermarktungsoffensiven der Mobilfunkbetreiber lassen das Verbindungsminutenvolumen im Jahr 2005 deutlich ansteigen. Während der Datendiensteanteil an den Service-Umsätzen im Mobilfunk weiter auf 20,2 Prozent ansteigt – maßgeblich getrieben von der MMS- und Datenübertragungsnutzung – bleibt die Sprache im Mobilfunk als Anwendung ungeschlagen – mit steigender Nutzung: Insgesamt erhöht sich das tägliche Gesprächsminutenvolumen auf 118 Mio. Minuten. Auch zukünftig ist ein deutlicher Zuwachs des Minutenvolumens im Mobilfunkbereich zu erwarten.

UMTS-Netze mit einer Leistungsfähigkeit von derzeit 384 Kilobit pro Sekunde tragen schon jetzt zu einem wettbewerbsfördernden Technologiemix bei. Allerdings stehen GPRS und UMTS bislang lediglich in den städtischen Regionen und Ballungszentren zur Verfügung. Höhere mobile Bandbreiten des UMTS-Nachfolgestandard HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) sind derzeit in der Testphase und versprechen erste erfolgreiche Anwendungen über entsprechende Datenkarten.

Voice-over-IP – Nischenprodukt mit hohem Gefährdungspotenzial

Im Berichtszeitraum haben vor allem die neuen VoIP-Anbieter wie Vonage und Skype in den USA oder Sipgate in Deutschland den Markt weiter aufgewirbelt. Über das Internet ermöglichen diese Anbieter Peer-to-peer (von Endgerät zu Endgerät im gleichen Netz) kostenfreie Telefonate. Zwar sind die Minutenanteile von VoIP-Anschlüssen in Höhe von 1 Mio. Min. pro Tag (0,3 Prozent) in 2005 derzeit noch recht gering, aber das Potenzial ist groß. Die Anbieter im Markt haben auf diese Entwicklung mit entsprechenden Flatrates auch für die Sprachtelefonie reagiert, bei der die Kunden zu kalkulierbaren Kosten monatlich unbegrenzt ins deutsche Festnetz telefonieren können.

*) Jürgen Grützner ist Geschäftsführer des VATM, Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V., Köln.

(Der Jahresbericht 2005 steht ab sofort auf der Webseite des VATM zum Download zur Verfügung.)

 
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