So ist es halt in Heidelberg

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HEIDELBERGER SCHÜLER RAUCH

Der Super-Abiturient

Da gingen den überforderten Lehrern langsam die Noten aus: Philipp Rauch aus Heidelberg erreichte bei seiner Abiturprüfung 838 von 840 Punkten. Eine 1,0 hätte es auch schon für 60 Punkte weniger gegeben.

 Manchmal waren die Lehrer ganz schön überfordert mit Philipp Rauch. Der 19-Jährige konnte schon immer sehr schnell lernen. Was er zwei Mal las, vergaß er nicht mehr. Doch als es auf das Abitur zuging, wurde den Lehrern seine Wissbegier fast ein wenig lästig.

Abiturient Philipp Rauch, 19: Die Notenskala gesprengt
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Abiturient Philipp Rauch, 19: Die Notenskala gesprengt
Jetzt ist das St. Raphael-Gymnasium den Schlauberger los: Er hat im Frühsommer sein Abitur abgelegt, und zwar mit links. Er war Bester der Klasse und bester des Jahrgangs. Im Abitur erzielte er eines der besten Ergebnisse, die es jemals in Baden-Württemberg gegeben hat.

„Ich habe natürlich nicht speziell darauf hingearbeitet“, sagt Rauch, „das ist einfach so passiert.“ 840 Punkte kann ein Schüler in Baden-Württemberg maximal erreichen – 838 Punkte davon erarbeitete sich der Heidelberger. Die Note 1,0 hätte es auch schon für 60 Punkte weniger gegeben. Philipp sprengte die Notenskala.

Zu schwierige Fragen gestellt

Schon in der Grundschule habe sich seine Begabung gezeigt, erklärt Rauch. Während sich die Mitschüler in der zweiten Klasse mit Addition und Subtraktion herumplagten, las Rauch Chemiebücher, die für Gymnasiasten gedacht waren. Die Grundschullehrerin fühlte sich von den vielen Fragen, die Rauch stellte, überfordert. „Meine Lehrerin hat sich bei meinen Eltern beklagt, dass ich sie so schwere Sachen fragen würde.“ Schule habe ihm schlicht Spaß gemacht, die guten Noten kamen von selbst. Besondere Lerntipps hat Rauch deshalb nicht parat.

Bei so vielen Einsen blieben die Hänseleien auf dem Schulhof natürlich nicht aus. Er sei aber ein ganz normaler Junge, verteidigt sich Rauch, der am Wochenende nie gelernt, sondern mit Freunden gefeiert habe. Freunde seien allerdings nur solche, die nicht neidisch auf den Notenspiegel schielen. „Manche sehen auch den wirklichen Menschen hinter den Noten“, sagt Rauch. „Wer mich als Person kannte, kam nicht auf den Gedanken, mich Streber zu nennen.“

Obwohl, ganz so einfach war es dann doch nicht: „Ich interessiere mich einfach für viele Dinge, Deutsch ist da ebenso wichtig wie Physik.“ Und so kommt es, dass Philipp seine Fühler auch in alle Richtungen ausstreckt. Jahrelang suchte er in der Theater-AG seines Gymnasiums einen Ausgleich zu den Naturwissenschaften, zu Hause spielt er Cello.

Als Nachwuchsforscher an der Uni

Es verwundert kaum, dass Lehrer den Hochbegabten für ein Wissenschaftsprojekt in Heidelberg vorschlugen – dem „Life Science Lab“ an der Universität Heidelberg. Dort gehen Oberstufenschüler wissenschaftlichen Fragestellungen nach und werden bei Experimenten von Wissenschaftlern angeleitet. Mit 16 Jahren begann Rauch, viel Zeit in dem Labor zu verbringen. Heute forscht er im Krebszentrum und ist mitverantwortlich für die Leitung einer eigenen Gruppe.

Diesen Sommer war der Klassenprimus auf einem internationalen Wissenschaftstreff in Israel. Auf der „International Science Academy“ trafen sich 60 junge Gehirnakrobaten, um in die Welt der Naturwissenschaft einzutauchen. Philipp Rauch experimentierte mit Hefebakterien, „wegen der großen Ähnlichkeit zu menschlichen Zellen“. Rauch erprobte Krebsmedikamente und deren Wirkung auf die Hefe-Gene.

Nun studiert Rauch im ersten Semester Medizin an der Uni Heidelberg. „Das Lernen hier ist auch nicht übel“, urteilt der Überflieger. „Hier kann ich so richtig in ein Themengebiet eintauchen, anstelle bloß an der gedanklichen Oberfläche zu kratzen.“ Natürlich trug Philipp auch seine erste Uni-Prüfung mit voller Punktzahl nach Hause. Sollte ihn doch einmal der Noteneinbruch ereilen, dann „wäre das auch nicht weiter tragisch“, meint Rauch. „Aber eigentlich ist das eine Erfahrung, die ich nicht unbedingt machen will.“

Von Marc Röhlig

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